Hintergrund

Das Forschungsprogramm „Lernende Demokratie“

27. November 2018 – Das Forschungsprogramm einer „Lernenden Demokratie“ bearbeiten in bewährter Kooperation Dr. Christopher Gohl vom Weltethos-Institut an der Universität Tübingen und Dr. Raban Daniel Fuhrmann, der Direktor der Akademie Lernende Demokratie des Vereins Democracy International e.V.. Mit unserem Forschungsprogramm der „Lernenden Demokratie“  untersuchen wir Praktiken, Verfahren und Institutionen, mit denen unsere Demokratie den Stresstest bestehen kann, der uns im Gemisch von ganz unterschiedlichen, immer dringlicheren Herausforderungen bevorsteht – vom Klimawandel über den steigenden Migrationsdruck und den demographischen Wandel bis hin zur sozialen Ungleichheit, der Digitalisierung und dem schleichenden Gift des autoritären Populismus in Europa.

Eine „lernende Demokratie“, so die These des Forschungsprogramms, könnte stets inklusiver, leistungsfähiger und widerstandsfähiger werden – aus Erfahrung immer besser, sozusagen. Sie wäre eine weiter entwickelte Form der liberalen Demokratie, die sich schon als ein robustes, lernendes und problemverarbeitendes System erwiesen hat. Aber die Herausforderungen ändern sich mit der Zeit, und unsere Institutionen bedürfen einer Weiterentwicklung, die alte Grenzen überschreitet. Vor allem: Auch die Generationen erneuern sich, die mit einem eigenen Erfahrungsschatz in Verantwortung gehen. Mit jedem Erstklässler, mit jeder Erstwählerin erneuert sich das Wagnis der Aufklärung, welches zugleich das Schicksal unserer Demokratie als Lebensform bestimmt: nämlich, unser Zusammenleben auf selbstständig denkenden Menschen aufzubauen.

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Warum Forschungsprogramm als „Stadtgespräch“?

Aus theoretischer Perspektive können die Potenziale einer lernenden Demokratie besonders vielversprechend auf zwei Feldern kultiviert werden: erstens in der alltäglichen Praxis demokratischer Gemeinschaften, die Demokratie als Lernprozess begreifen. Beispielhaft also eine Stadtgesellschaft inklusive ihrer Politiker, Verwaltungsmitarbeiter, Wirtschaftsvertreter und Medien. Und zweitens im Bereich einer Politikwissenschaft, die ihren distanzierten Beobachtungsposten auf den Bibliothekstürmen der Akademie verlässt, um sich auf der Agora einer Stadtgesellschaft an der Schaffung von Wissen zu beteiligen, das sich in der steten Verbesserung bewährt. Diesen alten Anspruch einer Politikwissenschaft als Demokratiewissenschaft gilt es zu erneuern und zu stärken.

Den besten Nachweis also, ob und wie sich die Ideen einer lernenden Demokratie bewähren, kann also nur die Praxis  liefern. Dafür aber brauchen Politikwissenschaftler, die die Akademie auf die Agora verlegen wollen, Partner aus der Stadtgesellschaft. Die Jury-Mitglieder des Manfred-Rommel-Stipendiums sichten derzeit Bewerbungen, darunter unseren Vorschlag des „Stadtgespräch Lernende Demokratie“. Ihre Entscheidung zur Vergabe des Stipendiums ist auch eine Entscheidung darüber, ob das Forschungsprogramm „Lernende Demokratie“ den eigenen Anspruch einlösen kann, sich in einem als Lernprogramm konkret zu bewähren. Erst wo wir wissenschaftliche Argumente in experimenteller Erfahrung überprüfen, erwächst bessere Erkenntnis für alle!