Fundstück: Acht Thesen zum Wissen für & durch Beteiligung

Fundstück: Zusammen mit meinem damaligen Kollegen, dem Politikwissenschaftler und erfahrenen Moderator von Beteiligungsverfahren Dr. Jürgen Wüst habe ich 2008 beschrieben, welches Wissen wir für gelingende Bürgerbeteiligung brauchen, und welches Wissen wir damit schaffen (Literaturangabe siehe unten).

Am Ende unseres Beitrags „Beteiligung braucht Wissen – Beteiligung schafft Wissen“ standen die folgenden acht Thesen, die ich auch heute noch unterschreiben würde; allerdings würde ich noch Thesen zum Orientierungswissen und zum Ethos – also zur Frage normativen Lernens – hinzufügen; was ich hier aber vertage :-). Hier die acht Thesen:

  1. „Organisierte Dialoge brauchen und produzieren unterschiedliche Formen von Wissen und Können: statisches Faktenwissen, prozedurales Anwendungswissen sowie Handlungswissen/Kompetenzen.
  2. Organisierte Dialoge sind Lernprozesse, die lokal neues Wissen un Kompetenzen generieren. Daran können nachfolgende Beteiligungsprozesse anknüpfen.
  3. Die in die Organisation von Dialogen eingehende Kompetenz und die Generierung von vielfältigem Wissen in organisierten Dialogen sind voneinander abhängig. Damit rückt die Qualität des Beteiligungsprozesses als Wissensbildungsprozesses in das Blickfeld: Wie kompetent ist der Beteiliger in der operativen, methodischen und strategischen Gestaltung des Wissensbildungsprozesses?
  4. Für den Beteiliger als Moderator und Gestalter des Beteiligungsverfahren kommt es besonders auf das prozedurale Anwendungswissen als operative, methodische und strategische Kompetenz an.
  5. Inwieweit Beteiliger Fachwissen brauchen, ist unterschiedlich und wird kontrovers diskutiert – auf alle Fälle braucht der Beteiliger genug Fachwissen,um seiner Rolle entsprechend handeln zu können.
  6. Für die Beteiligten steht zumeist neu produziertes und/oder erlerntes Faktenwissen im Vordergrund.
  7. Beteiligte erwerben in der Teilnahme oft neue Kompetenzen (Handlungswissen) in Bezug auf gruppendynamische, kooperative und politische Prozesse.
  8. Statt in der Analyse Faktenwissen über Beteiligung zu modellieren, sollte sich die Beteiligungsforschung den theoretischen Herausforderungen einer praktisch anwendbaren Handlungstheorie für Beteiligungsprozesse zuwenden: Welches Wissen und welcher Kompetenzen bedarf die Gestaltung erfolgreicher Beteiligungsverfahren als Wissensbildungsprozesse?“

Zitiert aus (fett oder kursiv im Original): Gohl, Christopher; Wüst, Jürgen (2008): Beteiligung braucht Wissen – Beteiligung schafft Wissen. In: Vetter, Angelika (Hg.): Erfolgsbedingungen lokaler Bürgerbeteiligung. Wiesbaden: VS Verlag (Städte und Regionen in Europa, 16), S. 259–280.

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